Beim Kochen redet es sich leichter

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Beim Kochen redet es sich leichter

In Lebenssituationen, in denen man aufgrund des Verlusts eines geliebten Menschen alleine am Herd steht, fällt der Griff zum Kochlöffel mitunter schwer. Aus diesem Grund biete ich in Kooperation mit der VHS Penzing am Sa, 19. und 26. Jänner 2019 (10.00-13.00 Uhr) nicht nur die Vermittlung von Wissen rund um die Zubereitung einfacher Gerichte, sondern auch ein niederschwelliges Format zum Austausch über die Bewältigung des Alltags als Witwer/Single an. Beim gemeinsamen Kochen und Essen kommen wir ins Gespräch über die jeweilige Lebenssituation und betreiben Erfahrungsaustausch.

Zielgruppe: alleinstehende bzw. verwitwete Männer aller Altersgruppen

Die Teilnahme ist kostenlos, mehr Informationen erhalten Sie unter: www.vhs.at/penzing

Geteiltes Leid ist halbes Leid?

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Umgang mit Trauer und Trauernden: Wertvolle Tipps im Vortrag mit Sonja Russ

Einen Menschen zu begleiten, der einen schweren Verlust erfahren hat, ist schwierig und erfordert Fingerspitzengefühl: Denn gut gemeinte Ratschläge und Floskeln sind in dieser nicht hilfreich.

In meinem Vortrag an der VHS Penzing vermittle ich, worauf es im Umgang mit Trauernden wirklich ankommt, welche Phasen für die gesunde Bewältigung eines Verlusts typisch sind und warum Männer anders trauern als Frauen.

Ich freue mich auf Ihr Kommen

Di, 30.10.2018, 18.30-20.30 (VHS Penzing, Hütteldorfer Str. 112, 1140 Wien)
Teilnahme kostenlos

Verläuft Trauer immer gleich?

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Ja, es gibt sie: die sogenannten Trauerphasen. Wir sollten sie aber eher als Modell, denn es als Grundlage zur Bewertung unserer eigenen Trauerprozesse betrachten. Warum, das erkläre ich hier:

Sie möchten über Ihre Trauer sprechen und einen Verlust aufarbeiten?

Ich bin gerne für Sie da und unterstütze individuell. Mehr über mich und meine Unterstützungsangebote finden Sie hier.

„Die Zeit heilt nicht alle Wunden“

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Händchenhaltendes Paar

Dieser Artikel von Alexandra Laubner ist am 2.11.2017 in der Wiener Zeitung erschienen.

Niemand denkt zwingend gerne über den Tod nach. Und meist erst dann, wenn es unvermeidlich ist. Bei Sonja Russ war das „Wenn“ eine schwere Erkrankung. „Ich habe überlebt. Aber mir war klar, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetzen und auch etwas zurückgeben muss“, sagt sie. Heute ist Sonja Russ Trauerbegleiterin und hilft Menschen in ihrer Trauerpraxis, Verluste hinter sich zu lassen. Im Interview erklärt Sonja Russ, wann Trauer krankhaft ist und warum Trauernden mit Floskeln wie „Es war Gottes Wille“ nicht geholfen ist.

„Wiener Zeitung“: Ist Trauern aus der Mode gekommen?

Sonja Russ: Nein, denn Trauer kann man nicht steuern. Trauer passiert und es ist nicht etwas, was man sich aussucht. Jeder, der schon einmal einen Verlust erlitten hat weiß, dass Trauer nicht spurlos an einem vorüber geht.

Rund um Allerseelen kommt bei vielen Menschen Trauergefühle hoch. Wie kann man Trauer gesund bewältigen?

Es ist wichtig, dass man die Gefühle zulässt. Trauer ist nicht nur Traurigkeit, sondern eine Mischung aus verschiedenen Emotionen. Häufig mischen sich in die Niedergeschlagenheit auch Wut, Angst und Enttäuschung. Gefühle, die wir uns nur ungern zugestehen. Trauernde sollten die Emotionen auch nicht bewerten, sondern sie als natürliche Bestandteile des Trauerprozesses ansehen. Weiteres sollte man sich mit der Beziehung zu dem Verstorbenen auseinanderzusetzen. Sind Probleme unbearbeitet und Belastendes unausgesprochen geblieben, kann der Trauerprozess blockiert werden. Deshalb sollte man darüber nachdenken, was die Person einem bedeutet hat und welche Dinge man ihm noch gerne auf den Weg mitgegeben hätte.

Wie lange dauert es, einen Verlust zu verarbeiten?

Das ist sehr unterschiedlich. Jeder braucht seine eigene Zeit, um zu trauern. Man sollte auch nicht irritiert sein, wenn andere Menschen anders auf den Verlust reagieren und man selbst zur Bearbeitung der Trauer mehr Zeit benötigt oder starke Emotionen zeigt. Es hängt auch damit zusammen, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet.

Wann kann Trauern krankhaft werden?

Wenn beispielsweise der Verstorbene zwei Jahre nach einem Todesfall noch immer idealisiert wird und für die verstorbene Person beim Sonntagsessen aufgedeckt wird. Das heißt aber nicht, dass es krankhaft ist, zu trauern. Trauer ist keine Krankheit.

Trauern eigentlich Männer anders als Frauen?

Bei Männern kommt es häufiger zu einer so genannten versteckten Trauer. Viele versuchen, die Tränen zu unterdrücken, weil sie Weinen als ein Zeichen der Schwäche ansehen, obwohl es eine innere Reinigung und keine Schande ist. Männer sprechen auch im Vergleich zu Frauen weniger über ihren Verlust. Sie versuchen, die Trauer zu kompensieren, indem sie mehr arbeiten oder Sport betreiben. Viele greifen zu Alkohol und sind suchtgefährdet oder reagieren aggressiv. Es gibt Studien, die besagen, dass Männer nach dem Tod ihrer Partnerin spätestens ein Jahr danach eine neue Partnerin haben. Bei Frauen dauert es sehr viel länger, bis sie eine neue Beziehung eingehen. Da Männer ihre Trauer oft nicht ausleben, geben sie die Trauer an die neue Partnerin weiter, die die Trauer dann oft für sie trägt.

Wie kann man unterstützen?

Das Wichtigste ist, zuzuhören und keine guten Ratschläge zu erteilen. Da sein, ein offenes Ohr haben und Trauernden beispielsweise im Alltag, wie im Haushalt oder bei Amtswegen zur Seite zu stehen. Mit Floskeln wie ,So ist das Leben‘ oder ,Es war Gottes Wille‘ hilft man wirklich niemanden. Im Gegenteil.

Welche Trauerrituale sind wichtig?

Prinzipiell ist es wichtig, Trauerrituale zu entwickeln. Wenn uns die Trauer überkommt, kann es helfen, positive Erinnerungen wachzurufen. Eine Kerze anzuzünden, Fotos anzusehen, Lieblingsmusik zu hören oder ähnliche Rituale, die wir mit dem Menschen verbinden, können dabei unterstützen, durch die Trauer zu sehen. Verluste sind schmerzhaft, aber Erinnerungen bleiben wertvoll und sollten in unserem Herzen Raum erhalten.

In ländlichen Regionen sind Trauerrituale fest verankert, oft nimmt das ganze Dorf an Begräbnissen teil. Schwinden im urbanen Bereich die Rituale?

Nein, meiner Meinung nach nicht. Auch wenn beispielsweise kein Priester beim Begräbnis anwesend ist, dann halten vielleicht Freunde die Trauerrede. Oder man trifft sich am Sterbetage im Lieblingsbeisl des Verstorbenen. Der größte Unterschied ist, dass in der Stadt die Trauerrituale auf den ersten Blick nicht so sichtbar sind wie am Land.

Wann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Der Besuch einer Trauergruppe kann ein guter Rahmen sein, um Kontakt zu anderen Trauernden aufzubauen und sich Menschen zu öffnen, die Ähnliches erlebt haben. Es gibt auch viele Menschen, die anderen die Trauer nicht aufbürden möchten, weil sie denken, dass sie stark sein müssen. Sich zu verschließen und der Emotion keinen Raum zu geben, ist jedoch problematisch, denn die Zeit heilt nicht alle Wunden. Es ist wichtig, Gespräche mit Freunden und Verwandten oder professionelle Unterstützung zu suchen. Ist es nicht möglich, den Verlust zu besprechen, können künstlerische Betätigung oder Schreiben hilfreich und heilsam sein. Moderierte Trauergruppen sind auch ein niederschwelliger Zugang für jene, die niemanden zum Reden haben. Sollte man das Gefühl haben, im Trauerprozess festzustecken oder nicht mehr herauszukommen, ist es auch ratsam, professionelle Hilfe zu suchen. Trauer beschränkt sich aber nicht nur auf den Tod eines lieben Menschen, sondern tritt auch dann auf, wenn man in Pension geht, wenn man eine Scheidung hinter sich hat oder, wenn man seinen Arbeitsplatz verliert. Das sind alles schwere Trauerzustände.

So kommt man aus dem Tal der Tränen

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Weinender Mann

Dieser Artikel von Kathi Pirker erschien am 28. Oktober in der Kronen Zeitung.

Allerheiligen und Allerseelen sind für Trauernde eine harte Zeit. Laut einer Umfrage von Akonsult besuchen 77 Prozent der Österreicher die Friedhöfe. Dabei wird vielen die Einsamkeit und die eigene Vergänglichkeit bewusst.Die „Krone“ sprach mit einer Trauer-Expertin.

Viele Trauernde verfallen in den Modus „Ich muss stark sein“. Sonja Russ, Psychologische Beraterin in Trauerfällen, stellt immer eine Frage: „Für wen?“ Und sie betont, das jeder Mensch anders trauert: „Wir sind dennoch vor Trauer ohnmächtig und müssen lernen, mit dem Verlust umzugehen.“

Für die „Krone“ stellte die Trauer-Expertin Tipps zusammen, die helfen, über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzukommen und Einsamkeit zu überwinden.

  • Sich zu verschließen und den Emotion keinen Raum zu geben, ist überaus problematisch, denn die Zeit heilt nicht alle Wunden. Suchen Sie also das Gespräch mit Freunden und Verwandten oder professionelle Unterstützung.
  • Gefühle zulassen: Trauer ist nicht nur Traurigkeit, sondern eine Mischung verschiedenster Emotionen. Bewerten Sie diese Emotionen nicht, sondern nehmen Sie sie als natürliche Bestandteile des gesamten Prozesses an.
  • Sich nicht verunsichern lassen: Wie lange es dauert, einen Verlust zu verarbeiten, ist individuell unterschiedlich.
  • Lassen Sie sich nicht von Bewertungen aus Ihrem Umfeld irritieren und haben Sie Geduld.
  • Setzen Sie sich mit dem Verstorbenen auseinander: Der Tod eines Menschen konfrontiert uns mit der Beziehung, die uns verbunden hat. Sind Probleme unbearbeitet und Belastendes unausgesprochen geblieben, kann der Trauerprozess blockiert werden. Denken Sie darüber nach, was der Verstorbene für Sie bedeutet.
  • Entwickeln Sie Trauerrituale: Wenn uns die Trauer überkommt, kann es helfen, positive Erinnerungen wachzurufen, zum Beispiel eine Kerze anzünden, Fotos gemeinsamer Unternehmungen ansehen, Lieblingsmusik hören oder ähnliche Rituale, die wir mit dem betrauerten Menschen auch nach demTod verbinden.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus: Der Besuch einer Trauergruppe kann ein guter Rahmen sein, um Kontakt zu anderen Trauernden aufzubauen. Sich Menschen zu öffnen, die Ähnliches erlebt haben, fällt oft leichter.

Anm.: Da sich in den Printartikel ein Fehler eingeschlichen hatte (Männer trauern natürlich nicht schneller, sondern nur anders im Sinne einer stärkeren Orientierung nach Innen; Offene Trauer und Tränen werden sich oft nicht zugestanden), wurde im Blog eine Passage des Artikels entfernt.

Suizid & Trauerarbeit – oder: Wie man Hinterbliebene am besten unterstützt

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Unterstützung für Hinterbliebene nach Suizid-Fällen

Den Verlust eines nahestehenden Menschen zu verkraften, ist schwer. Wenn dieser Mensch durch die eigene Hand aus dem Leben geschieden ist, gestaltet sich der Prozess des Abschiednehmens aber häufig noch komplexer: Denn Trauer und Schmerz mischen sich in diesem Fall besonders kräftig mit Emotionen wie Wut und Schuld. Zwar sind diese Reaktionen im Trauerprozess keine Ausnahmeerscheinungen, die Frage nach dem Warum, die einem Suizid unweigerlich folgt, kann es aber erschweren, das starke Emotionsgemisch aufzulösen. Deshalb sollte schon in der Frühphase der Trauer unter professioneller Begleitung an der Bewältigung des tragischen Verlusts gearbeitet werden.

Hier ist es wichtig, allen Emotionen, die mit dem Todesfall verbunden sind, Raum und Gehör zu schenken. Werden gesellschaftlich unerwünschte oder weniger tolerierte Reaktionen wie Wut über die Tat oder Kränkung ob des Zurückgelassenseins unterdrückt, kann der Trauerprozess mitunter gar nicht zum Abschluss gebracht werden. Die Trauer droht dann pathologisch zu werden.

Suizid – ein Tabu in der Mitte der Gesellschaft?

2015 schieden in Österreich 1.249 Menschen durch Suizid aus dem Leben. Das sind mehr als zweieinhalb Mal so viele wie durch Verkehrsunfälle Getötete (2015: 475 Menschen). Die Zahl der Suizidversuche ist in dieser Statistik noch gar nicht berücksichtigt: Man schätzt, dass sie die Zahl der Todesfälle um das 10- bis 30-fache übertrifft.

Auch wenn die Größenordnungen belegen, dass wir uns ernsthaft mit dem Phänomen auseinandersetzen müssen, ist das Thema Suizid immer noch tabubehaftet. Hinterbliebene sind so oft mit einem verunsicherten Umfeld konfrontiert, dessen Reaktion häufig von Mitleid über Schweigen bis zur unterschwelligen Schuldzuweisungen pendelt. Dabei ist teilnahmsvolle Zuwendung und Offenheit für Menschen, die einen Suizidfall im Umfeld verarbeiten müssen, besonders wichtig. Das Thema nur hinter vorgehaltener Hand anzusprechen, kann von Hinterbliebenen sogar als stigmatisierend und eher belastend wahrgenommen werden.

Wie kann ich im konkreten Fall unterstützen?

Am besten, Sie bieten der betroffenen Person ein offenes Ohr und Raum für Gespräche an – ganz ohne die Situation zu bewerten und die Trauer abschwächen zu wollen. Denn ein Zurückdrängen von Emotionen ist im Trauerprozess generell kontraproduktiv.

Wenn Sie selbst nicht unterstützen können oder nicht an den/die Hinterbliebene herankommen, tun Sie jedenfalls gut daran, professionelle Hilfe zu vermitteln: Je nach Bedürfnislage des/der Betroffenen können verschiedene Unterstützungsangebote sinnvoll sein: das Spektrum reicht von Trauergruppen über spezielle Selbsthilfegruppen bis zur Aufarbeitung des Verlusts im Rahmen einer Therapie.

Sollten Sie Unterstützung bei der Klärung der Frage benötigen, welches Format in einem konkreten Fall in Frage kommen kann, wenden Sie ich gerne an kontakt@trauerpraxis.at.

Männer trauern anders – Oder: Warum es Zeit für neue Formate ist

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Trauern Männer anders?

Gibt es einen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Art, wie wir mit Verlusten und Trauer umgehen? Experten wie Martin Kreuels, der sich dem Thema seit dem Krebstod seiner Frau intensiv widmet, sagen Ja. Die Ursachen lägen vor allem in erziehungsbedingten Verhaltensnormen wie der Vorstellung, Männer dürften Schwäche und Traurigkeit nicht offen zeigen.

Trauerarbeit eine weibliche Domäne?

Feststeht: Angebote wie Trauergruppen werden überwiegend von Frauen genutzt. Die öffentliche Auseinandersetzung mit Emotionen, die mit der Bewältigung eines Verlusts verbunden sind, steht bei Männer offenbar immer noch nicht hoch im Kurs – auch wenn klassische Geschlechterrollen langsam aufbrechen.

Im Gegensatz zu Frauen nutzen Männer aber auch selten den Rahmen einer Freundschaft dazu, Trauer zu artikulieren und zu teilen. Rückzug und/oder Flucht in (kompensierende) Tätigkeiten, die Ablenkung versprechen, gehören zu den zentralen Bewältigungsstrategien von Männern in Verlustsituationen. Denn noch immer besteht die Vorstellung, die Verarbeitung von Trauer schon mit sich selbst „ausmachen“ zu können. Dabei wird übersehen, dass tiefgehende Verluste Ausdruck brauchen, um bearbeitbar zu werden.

Neue Wege der Trauerbewältigung

Welche Lösung bleibt? Die Suche nach neuen Formaten, die dabei unterstützen, erlernte Barrieren abzubauen und den Kontakt zum eigenen Erleben und Fühlen herzustellen. Martin Kreuels empfiehlt etwa die Verknüpfung der Gesprächssituation mit einer gemeinsamen Tätigkeit wie Wandern, Kochen oder Segeln. Klaus Mair, der eine Trauergruppe für Männer in Innsbruck führt, setzt ebenfalls auf Formate abseits klassischer Gesprächssituationen im Sesselkreis: Auch hier stehen gemeinsame Unternehmungen in der Natur ganz oben.

Wenn Sie sich für ein solches Format interessieren und Ihre Trauer aktiv bewältigen wollen, freue ich mich, Sie auf diesem Weg und im für Sie richtigen Setting (vom Ge(h)spräch bis zur Trauergruppe speziell für Männer) begleiten zu dürfen. Sie erreichen mich unter office@trauerpraxis.at und der Telefonnummer +43 680 220 47 29.

Warum wir Trauer nicht unbewältigt lassen dürfen

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Trauer erfolgreich bewältigen, Folgen unbewältigter Trauer, Sonja Russ

Dass die Zeit alle Wunden heilt, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Heute wissen wir: Trauerbewältigung ist ein aktiver Prozess und einen Verlust anzunehmen, ist Arbeit, die uns niemand abnehmen kann – auch nicht die Zeit. Im Sinne unserer Gesundheit sollten wir uns dieser Aufgabe aber stellen, denn die Folgen unbewältigter Trauer sind gravierend.

Trauer ist mehr als traurig sein

Wenn wir jemanden oder etwas verloren haben, werden wir von einer Fülle (teils sogar widersprüchlicher) Emotionen überwältigt: Traurigkeit ist nur eines von vielen Gefühlen, die wir in dieser Situation empfinden. Mindestens genauso häufig melden sich Schuldgefühle, Wut oder Verzweiflung zu Wort.

Deshalb ist Trauer im Gegensatz zur Traurigkeit, die als begleitende Emotion eines Verlustes verstanden werden kann, kein flüchtiges Phänomen: Meist dauert es lange, einen tief empfundenen Abschied zu bewältigen, denn wirkliche Trauerarbeit geht über die Auseinandersetzung mit äußerlichen Phänomen und einer einzelnen Emotion hinaus: Sie versucht der Komplexität des Verlustes gerecht zu werden.

Trauer nimmt Einfluss auf den Körper

Die erfolgreiche Bewältigung eines Verlustes ist aber nicht nur für unsere Psyche, sondern auch für unseren Körper wesentlich, denn sie hat signifikanten Einfluss auf das (gesundheitliche) Wohlbefinden.

Vielleicht haben Sie schon vom sogenannten „Kummer-Effekt“ gehört: Young, Benjamin und Wallis fanden in einer Studie unter 4.486 Witwern im Alter von über 54 Jahren in England und Wales heraus, dass die Witwer im Gegensatz zu altersmäßig vergleichbaren verheirateten Männern ein halbes Jahr nach Verlust der Partnerin ein höheres Risiko hatten, selbst zu versterben. Wenn dies der Fall war, konnten degenerative Herzerkrankungen und Kreislaufprobleme besonders häufig als Ursache benannt werden. Es scheint also gar nicht weit hergeholt, von den Auswirkungen eines „gebrochenen Herzens“ zu sprechen.

Laut Prof. Götz Fabry sind 20-30% der Verwitweten außerdem über das erste Jahr hinaus psychisch oder psychiatrisch auffällig. Hinterbliebene würden auch durchschnittlich häufiger zu Suchtmitteln wie Alkohol, Tranquilizern oder Nikotin greifen.

Auch wenn nicht jede Trauer derart komplexe Reaktionen auslöst, pathologisch wird und psychotherapeutisch zu behandeln ist, macht es Sinn, im Trauerprozess auf Unterstützungsangebote zurückzugreifen, wenn Emotionen überwältigen oder innere Konflikte belasten. Denn Unbewältigtes bahnt sich seinen Weg an die Oberfläche – mit sichtbaren wie unsichtbaren Konsequenzen.

Wenn Sie unsicher sind, ob oder wie Sie diesen Schritt wagen sollen, berate ich Sie gerne.

Die Phasen der Trauer

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Die Phasen der Trauer - Trauerpraxis Sonja Russ

Wie wir trauern, ist individuell unterschiedlich. Ähnlich sind aber die Phasen, durch die Trauernde gehen. Vielleicht kennen Sie das Modell von Elisabeth Kübler-Ross, in dem sie erläutert, wie Sterbende Abschied nehmen: Es wurde Ausgangsbasis für die wissenschaftliche Annäherung an das Thema Trauerbewältigung und ist auch Grundlage für das bekannte Modell der Psychotherapeutin Verena Kast, das von vier Trauerphasen ausgeht:

Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Diese Phase ist verbunden mit dem Gefühl des Erstarrens, das eintritt, wenn wir von einem Verlust erfahren: Wir wollen den Abschied nicht wahrhaben oder haben vielleicht den Eindruck, „nichts“ zu fühlen. Die Phase kann kurz währen, bei unvorhergesehenen Verlusten aber auch länger dauern.

Phase 2: Aufbrechende Emotionen

Wut, Zorn, Schmerz, Traurigkeit und Angst – starke Gefühle bestimmen die zweite Trauerphase. Daneben treten häufig Zweifel und Schuldgefühle auf den Plan: Die Frage nach der eigenen Rolle und die Beziehung zur verlorenen Person werden zentraler. Wie lange die Bewältigung der Phase dauert, ist abhängig davon, ob wesentliche Themen und Konflikte zwischen trauernder und verlorener Person unbearbeitet geblieben sind.

Phase 3: Suchen & Sich-Trennen

In dieser Phase versuchen wir den verlorenen Menschen im Vorhandenen wiederzufinden: Oft zieht es zu Erinnerungsorten oder -stücken, aber auch innere Zwiegespräche sind häufig Bestandteil dieser Phase. Ist sie erfolgreich bewältigt, können wir uns mit dem Verlust aussöhnen und schließlich sogar neue Bindungen eingehen.

Phase 4: Neuer Selbst- & Weltbezug

Die vierte Phase führt schließlich zur Akzeptanz des Verlustes. Die verlorene Person bleibt zwar in Gedanken präsent, der Trauernde kann aber wieder Pläne schmieden und neue Facetten des Lebens erkennen.

Natürlich laufen diese Phase nicht linear ab: Das Modell, das heute auch kritisch betrachtet wird, ist aber ein brauchbares Instrument, um sich selbst verorten und das eigene Erleben als Teil eines Prozesses begreifen zu können, in dem es mitunter auch Rückschläge gibt. Da Trauer nach keinem Schema oder fixem Zeitplan verläuft, ist es wichtig, den eigenen Gefühlen und ihrer Bearbeitung entsprechend Raum zu geben.

Wann macht es Sinn, Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Auch diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Für die Bearbeitung eines Verlusts im Rahmen einer Trauergruppe ist es aber Voraussetzung, über den erfahrenen Schmerz sprechen zu können bzw. zu wollen. In einer akuten Schockphase ist dies häufig nicht der Fall.

Gerade wenn Emotionen und ungeklärte Konflikte mit der betrauerten Person aufbrechen, macht es aber jedenfalls Sinn, professionelle Begleitung durch den Trauerprozess in Anspruch zu nehmen. Welcher Rahmen dafür am besten geeignet ist, kann nur individuell bestimmt werden. Ich berate dazu gerne.

Zusammen ist man weniger allein – oder: Wie eine Trauergruppe konkret unterstützt

Trauergruppe
Trauergruppe Sonja Russ, 1040 Wien

Wenn wir einen nahestehenden Menschen verlieren, sind wir mit vielen Themen und Fragen beschäftigt. Oft lassen die Verpflichtungen, die sich aus der neuen Situation ergeben, auch nur wenig Raum für die Bewältigung des eigenen Schmerzes. Entlastung kann in dieser Situation ein geschützter Rückzugsort geben, an dem es möglich ist, die eigene Trauer in Worte zu fassen, zu teilen und professionell zu bearbeiten. Trauergruppen können genau diesen Rahmen bieten.

Was versteht man darunter?

Trauergruppen sind Kleingruppen von 8-10 Personen und ermöglichen es unter geschulter Moderation über Verluste zu sprechen, unterschiedliche Zugänge und Kraftquellen kennenzulernen und die Trauer gemeinsam zu bewältigen. Da offene Gespräche Vertrauen und Verbindlichkeit voraussetzen, ist es allerdings notwendig, dass die Mitglieder regelmäßig an den vereinbarten Terminen (üblicherweise in 14-tägigem Intervall über einige Monate hinweg) teilnehmen. Die Gruppen werden deshalb auch als „geschlossen“ bezeichnet.

Ich biete Trauergruppen an, weil ich sie als Chance begreife, einen Verlust abseits therapeutischer Maßnahmen zu bearbeiten und zu bewältigen. Sie sind in vielen Situationen ein guter und niederschwelliger Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verlust und geben Raum, auch über etwaige fachliche Inputs (wie typische Phasen des Trauerprozesses) zu reflektieren. Ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen, hilft außerdem, aus der Sprachlosigkeit auszubrechen und Verständnis für die eigene Situation zu erfahren. Wer sich auf die Reise einlässt, erkennt schnell, dass er mit seiner Trauer nicht allein ist – und das ist gut so.

Was muss ich vor der Teilnahme an der Trauergruppe wissen?

Im Vorfeld meiner Trauergruppen führe ich ausführliche Einzelgespräche mit allen InteressentInnen. Darin klären wir die jeweilige Bedürfnislage und die Erwartungen an die Gruppe. Sollte das Format nicht der richtige Rahmen für Ihre Trauerarbeit sein, zeige ich Ihnen gerne Alternativen auf.

Um von einer Trauergruppe richtig profitieren zu können, sollten Sie

  • dazu bereit sein, über den festgelegten Zeitraum regelmäßig an den Treffen teilzunehmen.
  • über Ihren Verlust tatsächlich sprechen wollen.
  • bereit sein, auch andere TeilnehmerInnen in ihrer individuellen Trauerarbeit anzuerkennen, und sie dabei unterstützen wollen.

Wenn Sie aktuell Unterstützung in der Verarbeitung eines Verlustes benötigen oder mehr über meine Trauergruppen und Einzelberatungen wissen möchten, freue ich mich über Kontaktaufnahme unter office@trauerpraxis.at